Hotel Lünen auf Kohle gebaut -Retrohotel Lünen Zentrum
Hömma, setz dich ma hin und nimm dir ’n Pilsken. Wenn wir über die 50er Jahre hier in Lünen quatschen, dann reden wir über ne Zeit, wo de den Dreck noch richtig inne Nase hattest, weißte? Dat war kein Ponyhof, dat war Maloche pur.
Wenn de damals bei Viktoria angeheuert hast, dann wussteste, wat Phase is. Morgens im Morgengrauen ab in den Korb, und dann ging dat Ruck-Zuck ab in den Keller. Unten war dat duster wie im Bärenarsch und heiß – Junge, da haste geschwitzt wie ’n Tier. Die Kumpel haben sich da unten die Seele aussem Leib gekloppt, immer den Abbauhammer im Anschlag. Und wenn de dann nach Schicht oben rauskamst, sahste aus wie aussem Schornstein gezogen. Nur dat Weiße inne Augen hat noch geleuchtet.
Aber dat war ja nicht nur die Arbeit. Die ganze Stadt hat doch nach Kohle und Eisen gerochen. In den Kolonien war immer wat los. Muttern hat zu Hause die Bude in Schuss gehalten und gegen den schwarzen Staub angekämpft, während Vatta im Garten bei die Tauben war oder die „Bergmannskuh“ (also die Ziege) versorgt hat. Man hatte ja nix, aber man hatte sich, verstehste? Nach der Schicht gings inne Kneipe, erstma dat Staubgold ausse Kehle spülen. Dat gehörte dazu wie dat Amen in der Kirche.
Aber – und dat darfste nicht vergessen – der Pütt hat dir zwar dat Brot gegeben, aber manchmal hat er sich auch wat zurückgeholt. Dat war ne gefährliche Kiste. In Brambauer, drüben bei Minister Achenbach, da gabs ja diesen richtig schwarzen Tag im Juli 1959. Wenn da die Sirenen über die Siedlung geheult haben, dann stand die Welt still. Da is dir dat Herz inne Hose gerutscht. Bei der Schlagwetterexplosion sind sechs Kumpel geblieben. Dat hat sich in die Köpfe eingebrannt. Da wusste jeder in Lünen: Morgen kannste der Nächste sein. Der Zusammenhalt war deshalb so krass, weil de genau wusstest, dass de dich auf deinen Nebenmann blind verlassen musst, wenn et knallt.
Dat war ne Zeit von harter Arbeit und echtem Schicksal, aber die Leute hatten Rückgrat. Ohne die Jungs von Viktoria und Achenbach wär hier in Lünen heute gar nix, dat kannste mir glauben.