Retro-Art Hotel History

In den ersten Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg haben mutige und vorausschauende Stadtväter in Rat und Verwaltung Entschlüsse gefasst, welche die Lippestadt noch heute prägen. Für ihre Zeit außergewöhnliche Bauvorhaben sollten aus der Ackerbürgerstadt ein modernes Gemeinwesen schaffen, das aufhorchen lässt.

So entstanden das Rat-Hochhaus, das Heinz-Hilpert-Theater, das Hallenbad an der Dortmunder Straße, das Mädchengymnasium von Scharoun und einiges mehr.

Zu der Zeit bekam Lünen auch sein erstes großes Hotel, das Stadthotel an der Dortmunder Straße. Gebaut wurde es von Theodor und Hilde Schene, die aus dem Raum Osnabrück kamen, wo sie eine Gastronomie betrieben, die einen Saal hatte für 1.000 Besucher, zumeist bei Schützenfesten. Daraus entstand die Idee, große Festzelte für solche Anlässe zu bauen, die auch in die Tat umgesetzt wurde. Hier entstand auch das Zubehör, war wir heute als Bierzelt-Garnitur kennen. Zu Beginn mit Problemen, weil die Gestelle der Bänke nicht stabil genug waren und auch mal zusammenkrachten.

Sohn Wolfgang war da schon mit dabei, zunächst noch in Windeln, in der Nähe des Kanonenofens. Viel später, so erinnert er sich, hat er dann beim Abbau der Zelte das Geld eingesammelt, was durch die Ritzen der Holzfußböden gefallen war.

Für Schenes ging es dann weiter nach Münster, wo sie nun den Aegidii-Hof  der Germania Brauerei betrieben haben. Dort fanden nach Karneval im großen Saal die Ziehungen von dem gerade entstandenen Vorläufer der West-Lotto Gesellschaft statt. Etliche Damen waren damals damit beschäftigt, mit Hilfe von Schablonen die Gewinner zu ermitteln.

Im Keller unter dem Saal war eine Einsatzstelle für Brieftauben. Dafür gab es auch ein Uhrenzimmer, wo die Zeitnehmer für die Taubenreisen standen.

Wolfgangs Aufgabe war es, einmal in der Woche diese Uhren aufzuziehen. Eigene Tauben verwehrte ihm seine Mutter.

Von Münster ging es dann Anfang der 1960er Jahre weiter nach Lünen. Hier entstand der Hotelbau in der Zeit von 1963/64. Ein strenger Winzer führte zu einer langen Verzögerung, die das Projekt fast scheitern ließ. Denn die Zinsen liefen weiter, ohne jegliche Einnahmen.

Gastronomisch gearbeitet haben Schenes zu der Zeit aber schon im gerade fertiggestellten Lüner Rat-hochhaus in der 14. Etage. „Als Willy Brandt zur Einweihung beim Oberbürgermeister Adolf Stock im Büro weilte, haben wir von oben einige Male Cognac bei ihnen nachserviert“, erinnert er sich.

Das Stadthotel war in Lünen das erste große seiner Art. Hinter dem hohen Bettenhaus lag ein Saalbau mit 600 Plätzen, in denen Schützenfeste und Betriebsfeiern stattfanden. Im Souterrain gab es eine Diskothek und einen Nacht-Club. „Lünen hatte ein richtiges Nachtleben zu dieser Zeit“.

Und dazu eine lebendige und zahlreiche Kneipenszene, zusammengefasst in einem Gaststättenverband, dessen Vorsitzender Theo Schene über lange Zeit wer.

„Wenn man einen solchen Betrieb erfolgreich führen will“, sagt Wolfgang Schene, der das Hotel von seinen Eltern übernahm, „dann muss man sich klar positionieren in Sachen Wiedererkennung, Preisklasse und Kunden“.

Dazu gehörten in den 1980 Jahren auch Reisegruppen, die nach Lünen kamen, und für die er sich einiges einfallen ließ. Mit Gruppen besonders aus dem Süden von Deutschland arrangierte er Busfahrten durch die Bereiche von Lünen, die durch den Bergbau geprägt waren, so etwa in Gahmen mit seinen straken Bergsenkungen oder durch die Siedlungen von Achenbach in Brambauer. Fahrten gab es auch zum Bergbau Museum an der Bahnstraße.

Als die Besuche durch Gruppen oder Tagungen ausliefen, musste sich das Stadthotel neu ausrichten. Der neue Ideengeber war da für Schene seine ausgeprägte Liebe zur Kunst. So wurde aus dem schlichten Stadthotel das Retro Art Hotel.

Und die Umstellung auf eine Erfolg versprechende Klientel. Heute übernachten nur noch Geschäftsleute bei ihm. Das ergibt eine fünf Tage Woche, das Wochenende ist tabu. Und es ermöglicht eine vorteilhafte Arbeitszeit für sein Personal. „Diese Gäste kommen zwischen sechs und acht Uhr zum Frühstück und fahren dann zu ihren Terminen. Ab zehn Uhr können wird dann hier arbeiten und sind mittags damit fertig“.

Und was wird seinen Gästen geboten? Ein Haus voller Überraschungen in fast jedem seiner 72 Zimmer und im großen Gastraum.

Hier kann der Gast je nach Geschmack Motto-Zimmer buchen, die vom Bergbau bis zum Film „Der Pate“ reichen, oder die etwa lokale Dinge präsentieren. So gibt es ein Zimmer, das Max Raabe präsentiert, und natürlich den Bergbau, den Schene als wichtige und positive Epoche in der Lüner Geschichte ansieht.

Und es gibt ein Zimmer mit Udo Jürgens Bildern und Utensilien, welches ganz besondere Erinnerungen bei Wolfgang Schene wach rufen. „Ich bin ja schon 64 Jahre in meinem Beruf tätig, und habe in den 1970ern in Berlin im „Schweizer Hof“ gearbeitet. Dort stiegen unter anderem auch die Sternchen der Hitparade ab, unter ihnen war auch Udo Jürgens“. Der bekam jeden Tag einen neuen weißen Bademantel. Und Schene ist es durch einen Kollegen gelungen, einen dieser Mäntel zu bekommen. „Da ist sogar Lippenstift drauf“, sagt er schmunzelnd. Jetzt hängt er gesichert hinter Glas in einem Zimmer. Und er hat zur gleichen Zeit in einem abgetrennten Raum des Hotels Albert Speer bedient, der sich dort nach seiner Haft mit alten Bekannten getroffen hatte.

Wolfgang Schene ist jetzt 78 Jahre alt und tief in der lüner Stadtgesellschaft verwurzelt. Besonders dort, wo die Verbindungen auch persönlicher Art sind. Von der Arbeit in seinem Betrieb will er sich noch nicht trennen, weil sie ihm nach wie vor viel Spaß und Freude bereitet und wirtschaftlich zufriedenstellend ist. „Aber 20 Stunden in der Woche sind genug“. Zeit, in der er immer noch an der künstlerischen Ausgestaltung des Retro Art Hotels feilt. Und das, obwohl man durch die Räume und Flure geht, eher das Gefühl hat, mehr in einer Kunstausstellung, denn in einem Hotel zu sein. Eine besondere und ungewöhnliche Atmosphäre, die sich deutlich unterscheidet von den Häusern, wo Bilder eine reine Dekoration

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